Frauenfachtagung des dbb nrw zum Thema:
Beruf und Familie - was sind Kinder uns wert?

 

 
 

Etwa 200 Frauen folgten der Einladung der Frauenvertretung im dbb nrw zu einer Fachtagung unter dem Thema: Vereinbarkeit von Beruf und Familie - was sind Kinder uns wert? in das Hotel nikko in Düsseldorf.

Die Vorsitzende der Frauenvertretung, Andrea Sauer-Schnieber, konnte bei der Eröffnung der Veranstaltung neben den Referentinnen Dr. Marion Gierden-Jülich, Staatssekretärin im Ministerium für Generationen, Familien, Frauen und Integration, und der Landessozialpfarrerin Sigrid Rheis gleichfalls aktuelle und ehemalige Vorstände des dbb nrw und der Frauenvertretung begrüßen. Sie wies darauf hin, dass das Thema zwar ein von der Frauenvertretung aufgegriffenes, jedoch keineswegs nur ein Frauen betreffendes Thema sei.

In seinem Grußwort hob Landesvorsitzender Ralf Eisenhöfer die Bedeutung der Frauenvertretung für die Gesamtarbeit des dbb nrw hervor. Nicht zuletzt durch die Föderalismusreform, durch welche die Regelungsbereiche des Landesgesetzgebers angewachsen seien, habe sich auch ihre Bedeutung verstärkt.

Auf die Notwendigkeit der Förderung von familienfreundlichen Arbeitsplatzkonzepten wies Jutta Endrusch, stellvertretende Vorsitzende der dbb nrw Frauenvertretung und Mitglied der dbb Bundesfrauenvertretung, in ihrem Grußwort hin. Es sei alarmierend, dass in den nächsten Jahren ein Absinken der Familienhaushalte auf 22 % zu erwarten sei. Daher müssten aktuelle Familienförderprogramme wie das Elterngeld mit dem Ausbau von staatlichen oder staatlich geförderten Betreuungsmöglichkeiten zu bezahlbaren Konditionen einhergehen.

 

 

Unter der Überschrift "Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familie - ist NRW auf einem guten Weg?" verdeutlichte Staatsministerin Dr. Gierden-Jülich die Ausgangssituation, an welche eine familienfreundliche Arbeitsmarktgestaltung anzuknüpfen habe. So lautet heutzutage bei vielen jungen Paaren die Frage: "Kind oder Karriere?" Die Entscheidung für das Eine bedeute für viele den Ausschluss oder zumindest das Aufschieben des Anderen. Dabei sei festzustellen, dass sich insbesondere junge Akademikerinnen und Akademiker nicht zuletzt wegen den aufgewandten Anstrengungen für einen höheren Bildungsabschluss dazu entscheiden, den Kinderwunsch der beruflichen Karriere unterzuordnen. Jedoch bestünde ein nachhaltiges Bedürfnis dieser Paare nach der Vereinbarkeit der Bereiche. Dies führe zu einer politischen Aufgabenstellung, welcher Nordrhein-Westfalen mit dem Gesetz zur frühen Bildung und Förderung von Kindern (KiBiz) nun nachgekommen sei und weiter nachkommen werde. Dabei fördere das Land Nordrhein-Westfalen insbesondere den Ausbau der Kinderbetreuungsplätze und die frühkindliche Bildung. Dieses Angebot könne entgegen einer Forderung der dbb Frauenvertretung nicht kostenlos erfolgen, jedoch seien die Kosten sozial ausgewogen.

Zur Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels in der gesellschaftlichen Betrachtung berufstätiger Eltern rief die Landessozialpfarrerin Sigrid Rheis in ihrem Vortrag "Leben, Arbeiten und Familie in Balance bringen" auf. In Deutschland sei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Privatsache, die von dem berufstätigen Elternteil alleine geschultert werden müsse. Ein beredtes Beispiel sei hierbei, dass die private Organisation der Kinderbetreuung selbst bei kurzfristig angesetzten Besprechungsterminen durch den Arbeitgeber vorausgesetzt und eine kinderbedingte Verhinderung bestenfalls mit Unverständnis quittiert werde. Dabei sprächen betriebs- und volkswirtschaftliche Gründe dafür, die Familienförderung zur Chefsache zu machen. Offensichtlich sei, dass Unternehmen mit starker Familienförderung im Verhältnis zu solchen Unternehmen mit lediglich selektiven Angeboten weniger Krankheitstage verzeichnen und über leistungsbereitere und zufriedenere Mitarbeiter verfügen. Durch die schnellere Rückkehr von berufstätigen Eltern in familienfreundliche Unternehmen werden die Aufwendungen für Mitarbeiterersatz und Einarbeitungsverluste gesenkt. In Anbetracht der absinkenden Geburtenzahl sei weiterhin zu prognostizieren, dass ein Unterangebot an Erwerbstätigen auf dem Arbeitsmarkt entstehe, was zu einer Gefährdung der Sozialversicherungssysteme und Ausweitung des Fachkräftemangels führe. Daher sei der Ausbau der Fördersysteme und ein Wandel in der gesellschaftlichen Wahrnehmung zwingendes Gebot, so Frau Rheis.

Der Nachmittag stand anschließend im Zeichen der Frage "Erwerbsarbeit und Familie - Theorie und Praxis". Unter dieser Überschrift konnte die Moderatorin Sabine Brandi (wdr 5) neben den frauenpolitschen Sprecherinnen der Landtagsfraktionen Ursula Doppmeier (CDU), Britta Altenkamp (SPD) und Sylvia Löhrmann (Bündnis 90/Die Grünen) und Hannelore Hanning von den Liberalen Frauen NRW die dbb Mitglieder Jutta Endrusch (VBE), Milanie Hengst (DStG) und Marianne Buhl (KEG) zur Podiumsdiskussion begrüßen. Die Schwerpunkte der Diskussion stellten dabei das Kinderbetreuungsgesetz "KiBiz" und die Änderung der gesellschaftlichen Betrachtung von berufstätigen Eltern dar.

Während Frau Doppmeier und Frau Hanning den Ausbau und die Flexibilisierung der Kinderbetreuungsmöglichkeiten durch das KiBiz hervorhoben, wurde das Gesetz von den anderen Diskussionsteilnehmerinnen wegen der Gefahr einer sozialen Benachteilung von ärmeren Kindern sowie die Mehrbelastung der Erzieherinnen und Erzieher kritisiert.

Mit dem zweiten Diskussionsschwerpunkt nahm die Moderatorin Frau Brandi den Begriff des Paradigmenwechsels auf. Dabei wurde festgestellt, dass die Familienpolitik zwar keineswegs mehr das von Altbundeskanzler Schröder titulierte "Gedöns" darstelle, jedoch der Familie immer noch nicht der entsprechende Stellenwert zukomme, der ihr gebühre. Eine weitere Förderung der berufstätigen Eltern sei in diesem Zusammenhang unausweichlich. Dies beinhalte auch die elterlichen Wahlfreiheit, die Kinder selbst zu erziehen oder bereite Betreuungsmöglichkeiten nutzen zu können.

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